Musik im Herbst

13.11.-12.12.2020: 57. Fürther Kirchenmusiktage    
Thema: „Kinder der Revolution“ 

Fr 13.11.2020 | 19.30 Uhr | Auferstehungskirche
Louis Vierne: Orgelsymphonien Nr. 1 & 2  
Andreas König & Sirka Schwartz-Uppendieck (Orgel)

Sa 14.11.2020 | 19.30 Uhr | St. Paul
Beethoven: Messe C-Dur  
Soli, Stadtkantorei, Orchester Ventuno, Ingeborg Schilffarth (Leitung)

So 15.11.2020 | 15.30 Uhr | Zu Unserer Lieben Frau
Mo 16.11.2020 | 10.00 Uhr | Zu Unserer Lieben Frau
Kinderorgelkonzert: Peter und der Wolf  
Dieter Neuhof (Orgel & Synthesizer), Michael Herrschel (Erzähler)

Fr 20.11.2020 | 19.30 Uhr | St. Paul
Louis Vierne: Orgelsymphonien Nr. 3 & 4  
Martin Schiffel & Susanne Hartwich-Düfel (Orgel)

Sa 21.11.2020 | 19.30 Uhr | Christkönigkirche
Mystik & Avantgarde: Musik aus Russland  
Choralschola der Christkönigkirche (Leitung Matthias Hofknecht), Hanna Hesse (Violoncello), Lorenz Trottmann (Klavier & Posaune), Michael Herrschel (Rezitation), Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier, Orgel & Leitung)

So 22.11.2020 | 16.00 Uhr | Christkönigkirche
Ökumenischer Gottesdienst  
mit Chormusik  

Fr 27.11.2020 | 19.30 Uhr | Zu Unserer Lieben Frau
Concerto illuminato  
Dieter Neuhof (Orgel, Synthesizer & Lichtshow), Michael Herrschel (Conférence)

Sa 28.11.2020 | 19.30 Uhr | Auferstehungskirche
Rrrr…evolution! Kagel & Beethoven  
Werke von Mauricio Kagel und Ludwig van Beethoven
Jens Barnieck & Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier, Harmonium & Orgel), Michael Herrschel (Erzähler)
Anschließend 21.30 Uhr | Babylon-Kino
Mauricio Kagel: Ludwig van (1970)

So 29.11.2020 | 17.00 Uhr | St. Michael
Bach: Schwingt freudig euch empor  
Chor und Instrumentalensemble aus Studierenden, Ingeborg Schilffarth (Leitung)

Fr 04.12.2020 | 19.30 Uhr | St. Heinrich
Louis Vierne: Orgelsymphonie Nr. 5  
Oliver Scheffels (Orgel)

So 06.12.2020 | 17.00 Uhr | Auferstehungskirche
Orchesterkonzert: Beethoven & Jesus  
Werke von Ludwig van Beethoven und Lorenz Trottmann (UA)
Soli, Farrenc Orchester, Bernd Müller (Dirigent), Michael Herrschel (Rezitation), Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier & Leitung)

Sa 12.12.2020 | 19.30 Uhr | Auferstehungskirche
Louis Vierne: Orgelsymphonie Nr. 6  
Stefan Kordes (Orgel)
 

Rückschau

„An der schönen blauen Außenalster“ – so malerisch titeln die Fürther Nachrichten vom 25. September 2018 ihren Bericht über ein Crossover der besonderen Art. „Wiener Kabarettsongs trafen auf Brahms“: „Drei große Geister aus Politik und Musik ehrten KMD Sirka Schwartz-Uppendieck und Michael Herrschel in St. Michael zum Saisonauftakt der Kirchenmusik Fürth.
Große Politiker gehen nicht allein mit ihren Taten, sondern mit großen Sprüchen in die Geschichte ein. Julius Cäsar mit ‚Ich kam, sah und siegte‘, Richard III. mit ‚Ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd‘, Napoleon mit ‚Das ist die Sonne von Austerlitz‘. Und Helmut Schmidt? Mit ‚Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen‘. Diesen Inbegriff des Pragmatismus übertrifft nur noch Helmut Kohl, der einst der Ansicht war: ‚Entscheidend ist, was hinten rauskommt‘. Doch nicht dem Pfälzer, sondern dem großen Hanseaten Helmut Schmidt zum 100. Geburtstag (am 23. Dezember 2018; Foto) widmeten Sirka Schwartz-Uppendieck am Klavier und Michael Herrschel in Gesang und Conférence ein vorgezogenes Ständchen. Und zwar ausgerechnet mit Liedern des Wieners Georg Kreisler.

Der begriff sich nicht als Politiker, sondern als dessen erklärtes Gegenteil, nämlich als Anarchist. Bloß, dass er keine Bomben warf, wohl aber musikalisch-textliche Minen legte und zündete. Mit derartiger Verheerung, dass der ORF seine Songs eine ganze Weile lang boykottierte.
Nun ist Georg Kreisler nicht unbedingt als erklärter Helmut-Schmidt-Feind bekannt, da gab es begnadetere Hassfiguren. Für Michael Herrschel sind sie eher Seelenverwandte, grimmige Pragmatiker. Beide zwar den schönen Künsten zugetan (Helmut Schmidt spielte Klavier), doch den elysischen Gefilden des Kunstbetriebes abhold. Einig darin, dass alles vom lieben Geld abhängt, skeptisch auch darin, wie es zur gerechten Verteilung kommen mag. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide recht bald sich in die Rolle der Grauen Eminenzen hineinfanden, die von höherer Warte ihre Kommentare zum Weltgeschehen wie zur Polit- und Kabarettszene schleuderten.
So bekamen die Kirchenbesucher in St. Michael im sakralen Rahmen höchst profane Lebensweisheiten zu Macht und menschlicher Unzulänglichkeit zu hören. Wer darüber die Stirn runzelt, möge die Weisheit Salomos nachschlagen, da bekommt er noch wesentlich grimmigere Einschätzungen zur Lage der Menschheit zu lesen.

Erträglich wird solch schwarze Weltsicht allein durch instrumentale Zwischenspiele, nämlich durch eine Auswahl aus den ‚Sechzehn Walzern‘ opus 39 von Johannes Brahms. Dieser Komponist schlägt nicht nur durch seine Biografie eine Brücke von Hamburg nach Wien. Der alte Brummelbär dürfte durchaus mit dem Pragmatiker auf dem Politparkett und dem charmanten Taubenvergifter ein ideelles Trio bilden.
Aber in den Klavierwalzern blitzt sie dann doch auf, die Vision. Ein Reich, nicht von dieser Welt. Und zum Walzer dreht man sich schließlich mit seiner Liebsten. Arzt, heil dich selbst, wir gehen tanzen.“